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Was tun, wenn Blaulichtfahrzeuge
auftauchen
Rechts ran, Tempo verringern,
anhalten - Kreisbrandrat: Viele machen Fehler
Fast jeder hat es schon einmal
erlebt: Ein Krankenwagen oder Feuerwehrauto taucht mit blitzendem
Blaulicht im Rückspiegel auf. Was tun? Rechts ranfahren, bremsen, Gas
geben? Viele machen jedenfalls das Falsche, erklärt Kreisbrandrat
Friedhold Schneider im Interview.
Herr
Schneider, Sie sind oft mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs. Wie
häufig stellen Sie ein falsches Verhalten bei Autofahrern fest?
Friedhold Schneider: Regelmäßig. Eigentlich gibt es bei jeder
Einsatzfahrt eine Gelegenheit, bei der ich mir denke: „Herrschaft, was
macht der jetzt?“ Nicht umsonst haben Helfer bei Blaulichtfahrten ein
siebenmal höheres Unfallrisiko als normale Autofahrer.
Was wird häufig falsch gemacht?
Schneider: Viele bremsen oft mitten auf der Fahrbahn. Das ist
fatal, weil das Auto dann die Straße blockiert und möglicherweise
nachfolgende Fahrer gefährdet werden. Manche fahren einfach langsam
weiter und bremsen die Helfer dadurch aus. Vor Unfallstellen erlebt man
auch immer wieder mal wilde Wendemanöver von Autofahrern. Sie blockieren
dadurch Einsatzfahrzeugen die Fahrbahn.
Wie verhält man sich richtig, wenn ein Blaulicht im Rückspiegel
auftaucht?
Schneider: Bei einem schweren Feuerwehr-Lkw kann man
beschleunigen und dem Lkw zügig davon fahren oder, falls vorhanden, eine
Parkbucht ansteuern. Wenn das nicht geht, rechtzeitig rechts ran fahren
und blinken, damit der Fahrer des Einsatzfahrzeuges weiß, o.k. der
Autofahrer hat die Lage erkannt und lässt mich vorbei. Autofahrer
sollten auch bedenken: Wenn ein schweres Feuerwehrauto kommt, folgen
meist noch mehrere andere hinterher.
Und bei entgegenkommenden Einsatzfahrzeugen?
Schneider: Nach rechts ausweichen, Tempo verringern und notfalls
anhalten.
Viele Helfer packen bei der Fahrt zum Spritzenhaus ein Schild „Feuerwehrler
im Einsatz“ aufs Autodach. Was gilt für diese ehrenamtlichen Helfer?
Schneider: Ganz klar: Sie müssen sich absolut an die
Straßenverkehrsordnung halten, also Vorfahrtsregeln und die
vorgeschriebene Geschwindigkeit beachten, um die beiden wichtigsten Dinge
zu nennen. Sicherheit vor Schnelligkeit – diesen Leitsatz versuchen wir
unseren Helfern einzuimpfen.
Feuerwehren rücken auch nachts meist mit Martinshorn aus. Muss das sein?
Schneider: Es muss. Nur mit Blaulicht und Martinshorn haben die
Autos das Wegerecht, sprich, die anderen Verkehrsteilnehmer müssen freie
Bahn schaffen. Gerade in der Stadt gibt es ja auch nachts Verkehr oder
Menschen, die sich auf der Straße oder Gehwegen bewegen.
Etwas anderes ist es oft auf freier Strecke. Da werden die meisten
Feuerwehrler das Martinshorn zumindest phasenweise ausschalten. Ein
bisschen Verständnis sollte der Bürger im übrigen für die Fahrten mit
Martinshorn haben, auch wenn er aus dem Schlaf gerissen wird:
Feuerwehrler opfern häufig genug ihre Nachtruhe, um anderen Menschen
ehrenamtlich zu helfen.
Interview: Peter Mittermeier
Der Westallgäuer 11.10.2011
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