27.02.2010

20 Jahre GW-G in Weiler

 

Einige 1000 Einzelteile an Bord

Feuerwehr - Der Gefahrgutwagen für den Landkreis Lindau ist seit 20 Jahren im Einsatz - Untergestellt ist das 230 PS starke Fahrzeug in Weiler - Für alle Notfälle bestens gerüstet

Um die Feuerwehren im Einsatz besser vor gefährlichen Stoffen zu schützen, wurden vor 20 Jahren bayernweit flächendeckend Gefahrgutwagen eingeführt. Als es darum ging, wo das Fahrzeug im Landkreis Lindau stationiert werden soll, winkten Lindau und Lindenberg ab. So erhielt Weiler als drittgrößte Feuerwehr den Zuschlag. Seitdem beherbergen, pflegen und fahren die dortigen Floriansjünger das 230 PS starke Gefährt, das im Ernstfall überall im Landkreis zum Einsatz kommt. Das kommt glücklicherweise nicht so oft vor. «Vielleicht ein- oder zweimal im Jahr. Manchmal auch gar nicht», berichtet Weilers 2. Kommandant Armin Rochelt. Er schiebt allerdings hinterher: «Wenn wir ausrücken, dann ist es was richtig Großes.»

Denn während die Ortsfeuerwehren auslaufendes Öl bei Autounfällen in der Regel selbst mit Bindemitteln aufnehmen können, müssen bei Säuren, Laugen oder sonstigen scharfen Stoffen die Spezialisten ran.

Zwölf Tonnen schwer

Abgesehen von kleineren Vorfällen wie Messungen war das zuletzt 2003 der Fall, als auf das Autobahn bei Weißensberg ein Gefahrgutzug mit 18000 Litern Eisen-3-Chlorid umgekippt war. Die stark ätzende Flüssigkeit lief zum Glück nicht aus, musste aber mit speziellen Pumpen aus dem Tank der Unfallfahrzeugs gesaugt werden.

Für solche Fälle ist der Gerätewagen-Gefahrgut (GWG) bestens ausgerüstet. Einige 1000 Einzelteile dürften es nach Schätzung von Armin Rochelt sein, die das zwölf Tonnen schwere Fahrzeug verstaut in unzähligen Kisten, Schubladen und Schränken mit sich führt. Die Ausrüstung reicht vom Prüfröhrchen für chemische Stoffe über spezielle Auffangbehälter für bis zu 16000 Liter, Schläuche, Werkzeug und Pressluftflaschen bis hin zu zwölf Vollschutzanzügen, mit denen die Wehrleute gefahrlos an den Unfallort gelangen können. Bei so vielen Teilen ist es natürlich wichtig, auch im Ernstfall die Übersicht zu behalten. «Du brauchst fünf gute Leute, die den GWG in- und auswendig kennen», betont Rochelt.

Regelmäßig Schulungen

Und nicht nur das: Bei einem Einsatz werden allein für dieses Fahrzeug zwischen 20 und 25 Mann benötigt - vom Aufbauen der Pumpen bis hin zum Wälzen der dicken Handbücher, in denen genau beschrieben ist, wie auf welche Gefahrenstoffe zu reagieren ist. Damit das gelingt, werden alle Mitglieder der Feuerwehr Weiler regelmäßig geschult. Erst diese Woche konnte die letzte der sechs Stationen bewältigt werden. Begleitet werden die Weilerer Floriansjünger bei Einsätzen von Kollegen aus Lindenberg und Lindau. «Da kommen schnell 100 Mann zusammen», so Rochelt.

Text: "Der Westallgäuer" von Benjamin Schwärzler

Bilder: FF Weiler im Allgäu