März 2010

Zwei Jahrzehnte Gerätewagen-Gefahrgut

Ein kurzer Rückblick aus dem Landkreis Lindau (Bodensee)

 

Bereits im Jahr 1987 erging durch einen Landtagsbeschluss die Feststellung: Die Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehren in Bayern zur Bekämpfung von Chemieunfällen ist zu verbessern.

Spektakuläre Unglücksfälle (Sandoz und Herborn) waren hierzu Grundlage für die Schaffung einer neuen Baurichtlinie für den Gerätewagen-Gefahrgut (GWG) und anschließende Freigabe für eine landesweite Beschaffungsaktion. Jeder Landkreis, jede kreisfreie Stadt sollte mit diesem neuen Sonderfahrzeug ausgestattet werden. Auch der Landkreis Lindau (Bodensee) wurde für sein Einsatzgebiet einschließlich der Gemarkung Bad Oberstaufen (Landkreis Oberallgäu) mit einem Gerätewagen-Gefahrgut (GWG) im Jahr 1990 ausgestattet.

Das landkreiseigene Fahrzeug welches bei der Feuerwehr Weiler im Allgäu stationiert ist, hat sich zwischenzeitlich bei zahlreichen Einsätzen bewährt. Erfahrungsbedingt wurden in dieser Zeit die Abschnitte Dekontamination durch eine Rendezvous-Lösung mit dem bundeseigenen Dekon-P-Fahrzeug verstärkt und für den Bereich der Fassbergungen durch Zusatzgerätschaften (Bergungsrampe, siehe Brandwacht 6/2007) eine wesentliche Erleichterung geschaffen.

In der 20-jährigen Laufzeit wurden alle altersbedingten Austauschmaßnahmen nach 10 Jahren gänzlich durchgeführt, in Kürze steht schon die zweite Ersatzbeschaffungsmaßnahme für alle Chemieschutzanzüge und sonstige Gerätschaften an.

Fast alle Begrifflichkeiten zum Thema Gefahrgut haben sich seit der Beschaffung immens im Sinne der Empfindlichkeit erheblich nach oben verändert, allein die Menge der mitgeführten Nachschlagewerke hat sich verdreifacht.

Bewährt hat sich ein jährliches Blockausbildungsmodell, wo innerhalb von sechs Wochen das komplette Gefahrgutprogramm von der gesamten Mannschaft am Standort durchlaufen werden muss. Eine Tankübungsanlage der Werkfeuerwehr vom Industriepark Gersthofen war ein Teil der diesjährigen Blockausbildung, wo insbesondere Abdichtungsübungen im Industriebereich vordergründig waren.

Auch bei Gefahrguteinsätzen steht die Sicherheit der Mannschaft an erste Stelle. Hierzu müssen die erweiterte persönliche Schutzausrüstung und die Technik stets der Zeit angepasst sein.

Ein Festakt mit allen Landkreis-Kommandanten und Vertretern der Politik rundete diese Entscheidung ab. Es gilt daher, rechtzeitig ein förderfähiges Ersatzbeschaffungskonzept für ganz Bayern zu entwickeln.

Gefahrgut, das wachsende Problem der Zukunft. Eine unbestreitbare Feststellung, deren Lösung im Sinne der Feuerwehren und der Umwelt zielstrebig angegangen werden muss. 

März 2010

Friedhold Schneider

Kreisbrandrat

Landkreis Lindau (Bodensee)

Bilder: FF Weiler im Allgäu